50 Jahre Hungertücher

Hungertuch 2017-2018: Ich bin weil du bist von Chidi Kwubiri (Foto: Kirche Schweiz)
Hungertuch 2017-2018: Ich bin weil du bist von Chidi Kwubiri (Foto: Kirche Schweiz)
Eine Ausstellung feierte in Deutschland 50 Jahre Hungertücher von Misereor von 1976 bis 2026. Die meisten wurden auch in der Schweiz übernommen.
Zur ökumenischen Kampagne von HEKS-Brot für alle und Fastenaktion gibt es alle zwei Jahre ein neues Hungertuch, das in den Kirchen aufgehängt wird und das Anlass zu Meditationen und Interpretationen gibt.

Anlässlich des Jubiläums lud Misereor Anfang Februar 2026 zu einer Ausstellung nach Hofheim ein. Gezeigt wurden alle 25 Hungertücher, die in den 50 Jahren entstanden sind. Sie greifen als spirituelle und künstlerische Impulse zentrale Fragen von globaler Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung auf.

Unter dem Titel "Die Misereor Hungertücher - Kunst als Ort des Dialogs" schildert Dr. Claudia Kolletzki die Herkunft und die Absicht der Hungertücher:

Die Bibel der Armen: Die Hungertuch-Idee entstammt einem alten, kirchlichen Brauch, der bis vor das Jahr 1000 n. Chr. zurückgeht. Die Tücher zeigten Bildmotive aus der Heilsgeschichte des Alten und Neuen Testaments. Einerseits verdeckten sie das heilige Geschehen am Altar, andererseits erzählten sie die biblischen Geschichten von der Schöpfung bis zur Wiederkunft Christi und stellten so als „Armenbibel“ der des Lesens meist unkundigen Gemeinde die Heilsgeschichte in Bildern vor Augen.

Eine alte Tradition neu belebt: Das Hilfswerk Misereor hat 1976 die Tradition der Hungertücher wieder aufgegriffen und ihr eine weltweite Resonanz verschafft. Alle zwei Jahre wird ein neues Bild von engagierten Künstlerinnen und Künstlern aus Afrika, Lateinamerika, Asien und Europa gestaltet und ermöglicht Einsichten in das Leben und den Glauben von Menschen uns fremder Kulturen. Die modernen Bilder laden, ganz in der Tradition der mittelalterlichen Tücher, zur Betrachtung des Leidens Christi ein. Neu daran ist, dass eine Verbindung mit dem Hunger und der Armut, aber auch dem kulturellen und spirituellen Reichtum der Menschen in den Ländern des Südens hergestellt wird.

Kunst als Ort des Dialogs: ... Viele der Kunstschaffenden kennen beides, den Süden und den Norden, und konnten so zu Brückenbauern zwischen ihrer eigenen und unserer Kultur und Spiritualität werden...

Die Hungertücher sind Schaubilder des Glaubens, aber auch Anfrage an uns und unseren Lebensstil!

In der » Pressemitteilung von Misereor heisst es ferner: Erwin Mock, Hungertuch-Pionier von Misereor, hatte im Juli 1975 die Idee, dass man „die uralte Tradition eines Hungertuches“ wieder aufgreifen könne. „Das erste Hungertuch ist dann 1976 rausgekommen“, so der 92-jährige Allgäuer. „Da konnte ich nicht ahnen, dass das so ein Renner wird. Als es so gut angenommen wurde, war klar, dass wir dabeibleiben.“

Die » Plattform für Religionsunterricht ru-digital stellt das Ausstellungsheft mit den Beschreibungen der Hungertücher und ihrer Künster:innen digital zur Verfügung. Die Bilder sind aber eher schwach aufgelöst.