Gender oder Gleichwertigkeit

Gleichstellung, Gender waren die neuen Begriffe für die Emanzipation der Frau. Empowerment, Ermächtigung darum geht es den Frauen in der Entwicklungszusammenarbeit. Selber reden und handeln, das wollten sie endlich, und mitentscheiden. Ende 1990 starteten die Missionen, Brot für alle und HEKS das Fachsekretariat „Frauen und Entwicklung“ als Teilzeitstelle. 1988-1998 setzte der Ökumenische Rat eine Frauen-Dekade an.

Frauen gestalten die Welt

Das war das Leitmotiv der Kampagne von Brot für alle und Fastenopfer 1994. Es war höchste Zeit, ein Licht zu werfen auf das, was die Frauen jahraus, jahrein leisten, und ihre Anliegen zu hören. Es war Halbzeit der „Ökumenische Dekade der Kirchen in Solidarität mit den Frauen“. Diese gab sich folgende Ziele:1. Frauen zu ermächtigen, unterdrückende Strukturen in der Gesellschaft weltweit, in ihrem Land und in ihrer Kirche in Frage zu stellen.2. Den wesentlichen Beitrag der Frauen in Kirche und Gemeinde anzuerkennen, sowohl durch gleiche Mitverantwortung und Entscheidungsgewalt als auch durch Mitgestaltung der Theologie und des geistigen Lebens.3. Vorstellungen und Aktionen der Frauen im Einsatz und Ringen für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung bekannt zu machen.4. Den Kirchen zu ermöglichen, sich selber von Rassismus, Sexismus und Klassenstrukturen sowie von Lehren und Praktiken, die Frauen diskriminieren, zu befreien.5. Kirchen zu ermutigen, frauensolidarische Aktionen zu unternehmen.
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Gender - was ist das? Gender bezeichnet ....
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Solidarität statt Herrschaft Aus Einzelinitiativen von Frauen im Süden wie im Norden wachsen oft nicht nur landesweite Aktionen und Netzwerke. Zunehmend suchen Frauen Austausch und Solidarität über die Landesgrenzen hinweg. International bekundeten 1991 in Miami 1500 Frauen aus 83 Ländern ihren Widerstand gegen die Umweltzerstörung an ihrer Vorkonferenz zum Umweltgipfel von Rio de Janeiro. Trotz unterschiedlichster Herkunft und Anliegen gelang es ihnen - unter massgeblicher Mitwirkung von Frauen aus dem Süden - , ein substantielles Aktionsprogramm zu verabschieden. Dieses stellt die globalen Ursachen der Umweltzerstörung wie internationaler Handel, Verschuldung, Auswirkungen von Strukturanpassungen, multinationale Gesellschaften, Militarismus und den im Norden herrschenden Konsumismus in den Mittelpunkt. Es fordert konkrete Schritte zu einer Entwicklung, die nicht mehr auf Herrschaft, sondern auf ethischen Kategorien wie spirituelle Werte, Solidarität und Gerechtigkeit beruht.
Tabus aufbrechen Übergriffe auf Frauen wurden lange als private Angelegenheiten oder als kulturelle Eigenheiten eingestuft und deshalb stillschweigend toleriert oder tabuisiert. Erst in jüngerer Zeit werden sie von den Frauen als geschlechtsspezifische Gewalt wahrgenommen und öffentlich gemacht. Die erschreckende Einsicht, dass jede Form von Gewalt auch die Gewalt gegen Frauen verstärkt, hat einen Denkprozess über die verschiedenen Formen von Gewalt und ihre Zusammenhänge ausgelöst. Dabei ist deutlich geworden, dass Gewalt untrennbar mit der patriarchalen, auf Herrschaft beruhenden Gesellschaftsordnung verbunden ist. Die Erkenntnis, dass es ohne Gerechtigkeit keinen Frieden gibt, erhält damit besondere Bedeutung. Gewalt und deren Überwindung ist denn auch das Thema, das Frauen im Süden wie im Norden gleichermassen bewegt und in Bewegung bringt.
Widerstand gegen den Krieg Ende 1992 setzte sich eine internationale Frauenkonferenz in Bangkok mit dem Thema „Frauen überwinden Gewalt“ und besonders mit dem Zusammenhang zwischen Militarismus und Gewalt gegen Frauen auseinander. Bereits früher hatten die Konsultationen der asiatischen und der pazifischen Frauen zu Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung die Auswirkungen der Militarisierung auf Frauen zum Gegenstand.Frauen setzen sich auch aktiv gegen alle Formen von Gewalt zur Wehr. Weltweit schliessen sie sich zusammen, um Frauenhäuser einzurichten. Indische Frauen organisieren Kampagnen gegen Mitgiftmorde und demonstrieren vor Häusern, in denen Frauen auf ungeklärte Weise umgekommen sind. International fordern Frauen die Ächtung von Vergewaltigung im Krieg als Kriegsverbrechen und die Abschaffung von Frauenhandel und Sextourismus. In der Schweiz haben einige Reisebüros den Druck der Frauen bereits mit der Streichung von entsprechenden Reiseangeboten beantwortet.Frauen sind oft entschlossene Kriegsgegnerinnen, die sich weigern, ihre Kinder, Brüder und Männer dem Tod auszuliefern. Schon früh haben sie Frauen im ehemaligen Jugoslawien - vergeblich - um eine Abwendung des drohenden Krieges bemüht. Frauen haben immer wieder die Beendigung aller kriegerischen Auseinandersetzungen auf der Welt gefordert.
Das Patriarchat ist überall Mit der Eroberung wurden in Lateinamerika europäische Wirtschafts- und Gesellschaftsmuster eingeführt. Den Frauen brachte dies Marginalisierung und Entwürdigung. Aymara-Frauen beklagen, dass sich heute Männer den Frauen gegenüber oft überlegen fühlen, während die traditionelle Kultur beiden Geschlechtern die gleichen Rechte zugestanden hatte. Nicht nur in Lateinamerika wurde die in der Regel weiblich dominierte Subsistenzproduktion zugunsten einer männlich dominierten Produktion für den Weltmarkt zurückgedrängt. Traditionelles, familienorientiertes Recht, das weibliche Ansprüche, zum Beispiel auf Land, respektierte, wurde durch europäische Rechtsnormen, die Individualbesitz und männliche Rechtsansprüche betonen, ersetzt. Patriarchale Kirchenstrukturen traten vielerorts anstelle einheimischer religiöser Systeme, in denen Frauen Wertschätzung genossen und über Macht verfügten. Damit setzte eine zunehmende Marginalisierung und Verarmung der Frauen ein.
Zeit für Befreiung „In ungezählten Selbsthilfeorganisationen und Netzwerken arbeiten heute Frauen an Befreiung aus Armut und Unterdrückung, indem sie ihre Anliegen gemeinsam verfolgen und ihnen politischen Nachdruck verleihen.Das Netzwerk DAWN von Frauen im Süden spielt inzwischen eine führende Rolle in der Formulierung einer frauengerechten Weltpolitik und hat das Konzept einer „Feminisierung der Entwicklung“ geprägt.“Tildy Hanhart
 
Autor: Doris Brodbeck     Bereitgestellt: 30.11.2015    
aktualisiert mit kirchenweb.ch